Deutsche Meisterschaft im Bogensport 2021

In 2020 wurde der Deutschland Cup in Wiesbaden als eines der ganz wenigen Events des DSB im Kalenderjahr ohne Zuschauer umgesetzt. 2021 waren Zuschauer wieder zugelassen. Stefan Ernst von der Eventorganisation Deutscher Schützenbund berichtet über seine Erfahrungen.

Interview mit Stefan Ernst

Eventorganisation Deutscher Schützenbund

Was war die größte Herausforderung bei der Planung der Veranstaltung unter Pandemiebedingungen?

Die Planung ist viel ungewisser. So wurden Anfang des Jahres noch viele internationale Veranstaltungen aufgrund der weltweit verschiedenen Reisebestimmungen abgesagt. Auch änderten sich die Coronabestimmungen der einzelnen Bundesländer und des Bundes teils wöchentlich.

Erst im Laufe des Jahres kamen verschiedene Instrumente für eine vermeintlich sichere Veranstaltungsdurchführung dazu: Impfen, Schnell-Testung, Kontaktdatennachverfolgung - Instrumente, die den Veranstaltern enorm helfen und auch eingesetzt werden.

Im Vergleich zu der Vor-Pandemie-Zeit werden Projekte viel kurzfristiger umgesetzt, d.h. Ausschreibungen für Dienstleister versendet, Aufträge vergeben, Teilnehmerinformationen versendet etc., um Risiken durch die unklare Lage zu minimieren. Mit Risiken sind hier vor allem mögliche Stornokosten, Irritationen der beteiligten Sportler/innen oder doppelte Arbeit gemeint.

Bei großen nationalen sowie internationalen Events wurde vor Corona etwa 6-9 Monate vor den jeweiligen Veranstaltungen Aufträge vergeben, um im dicht gestaffelten Veranstaltungs-Sommer nur noch die Feinheiten abstimmen zu müssen. Reservierungen von Flächen wurden bereits Jahre im Voraus durchgeführt.

Finanzierung: Teils erhöhte Kosten durch mehr Personal, Materialien für Hygiene, Aufbauten, etc. Preis pro Zuschauer ist extrem hoch.

Was konnte problemlos umgesetzt werden?

Durch die mittlerweile recht hohe Impfquote und die vorhandene Bereitschaft, sich testen zu lassen, gab es bei der Kontrolle des 3G-Nachweises kaum Probleme. Auch die Verbreitung der Luca-App als digitale Kontaktnachverfolgung hat für einen reibungslosen Einlass an den Zuschauerbereichen gesorgt. Das händische Ausfüllen des Kontaktformulars wurde auch noch recht häufig genutzt. Das war wiederum auch kein großes Problem.  

  • Erstellung eines Hygienekonzepts und enge Abstimmung mit dem Veranstaltungsbüro, Ordnungsamt, und Gesundheitsamt
  • Verpflegung der Volunteers per Lunchpaket
  • Reglementierung der Steh- und Sitzplatzbereiche, Mindestabstände! 2018 gab es im  Vergleich 1.000 Zuschauer am Tag, 2021 durften es maximal 180 Personen pro Tag sein
  • Zugangskontrolle 3G-Nachweis + Luca-App (auch für Mitarbeiter)
  • Abhängen des Veranstaltungsgeländes um Menschentrauben zu vermeiden
  • Kein öffentliches Catering, kein Rahmenprogramm wie Jedermannschießen, Hüpfburg, Minigolf oder Verkaufsstände 
  • Hygienespender an den Eingängen
  • Laufwege der Athletinnen und Athleten bestimmen, Protokoll für die Siegerehrung anpassen
  • Reduzierung der Teilnehmer von ca. 700 auf ca. 500 Sportler, zusätzlicher Tag bei der Qualifikation, um den Zeitplan und die Teilnehmer zu entzerren, Doppelbelastung für Personal
  • Mehr Zeitpuffer beim Anmeldeprozedere: Kontrolle Nachweise und dadurch auch längere Wartezeiten

Wir befinden uns in einem ständigen Spagat zwischen, was ist umsetzbar mit den bestehenden Verordnungen und was ist sportlich machbar bzw. für unsere Sportler zumutbar.

Wie war das Feedback der Sportler auf die Realisierung?

Erleichterung und Dankbarkeit, dass nach 2019 wieder eine große Meisterschaft stattfinden konnte. Die Nationalkaderathleten waren teilweise auch 2020 bei Wettkämpfen und konnten zumindest aufgrund der Kaderzugehörigkeit dauerhaft trainieren.

Das Bowling Green mit den Aufbauten und dem Kurhaus im Hintergrund ist für alle Athletinnen und Athleten ein absolutes Highlight im Wettkampfkalender. Der Aufbau ist vergleichbar mit Weltcups oder sogar Weltmeisterschaften und daher ein Pluspunkt bei der Akquise von TV-Sendern.

Die Sportler hätten sich gewünscht, dass auch bei der Qualifikation Zuschauer zugelassen sind. Dies war jedoch aufgrund der Vielzahl der Athelt:innen und dem begrenzten Platz im Kleinfeldchen unter Corona-Auflagen nicht machbar.

... und das Feedback der Zuschauer im Großen und Ganzen?

Besonders die Angehörigen der teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler waren froh wieder als Fans dabei sein zu dürfen – zumindest diejenigen, die auch einen Steh- bzw. Sitzplatz bekommen haben. Einige Interessierte mussten aufgrund der beschränkten Kapazitäten gebeten werden auf freiwerdende Plätze zu warten. Von den meisten gab es dafür aufgrund der aktuell herrschenden Lage und steigenden Inzidenzen auch Verständnis.

Wie viele Zuschauer waren zugelassen?

Nachdem 2018 noch über 1.000 Zuschauer täglich vor Ort waren, wurden in diesem Jahr zwei Zuschauerbereiche für insgesamt ca. 140 Personen eingerichtet. Eine kleine Sitzplatztribüne für eigentlich 200 Personen wurde so bestuhlt, dass 100 Personen Platz gefunden haben. Darüber hinaus gab es einen Stehplatzbereich, der anhand der zur Verfügung stehenden Quadratmeter 40 weitere Besucher/innen Platz geboten hat.

Neben den Besuchern hat der DSB auch Gäste in den Gäste-Bereich eingeladen, dort waren täglich etwa 40 Personen zugelassen. Etwa 180 Personen konnten gleichzeitig die Wettkämpfe verfolgen.

Wie konnten 2021 Sponsoren eingebunden werden?

Die Partner konnten auf dem Wettkampffeld wie gewohnt eingebunden werden. Darüber hinaus wurde sogar statt der Tribüne aus 2018 + 2019 eine Sportler-Rückwand mit Abbildung der Partner-Logos gestellt.

Im öffentlichen Raum um das Wettkampffeld wurde weitestgehend auf das Stellen von Werbemitteln verzichtet, da es kein Rahmenprogramm oder Verpflegungsstände gab. Es wurde das Augenmerk bewusst auf die Übertragungen und Präsentationen der Partner über TV und Livestream gesetzt.

Das Stellen eines Promotionstandes und direkte Ansprache vieler Zuschauer war leider nicht möglich, daher waren regionale Sponsoren weniger interessiert.

Was halten Sie von der 2G-Regelung?

Schwierig umzusetzen und abzufragen. Einige Sportler, Trainer und Betreuer könnten so von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden.

Was wünschen Sie sich für die DM 2022?

Für 2022 erhoffen wir uns wieder mehr Zuschauer und diese ohne Einschränkung zulassen zu können. Der (Bogen-) Sport soll wieder mehr Personen zugänglich gemacht werden. Ein Rahmenprogramm mit Jedermannschießen und Hüpfburg soll aus der Veranstaltung wieder ein Familienfest machen, das sich in Verbindung mit dem 25h-Lauf nachhaltig im Veranstaltungskalender von Wiesbaden etabliert.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • ECKHARD FRERICHS
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